Geschrieben von Robert Schmitt
In Bayern gibt es rund 4600 Fußballvereine, in denen 1,7 Millionen Menschen Mitglied sind. Viele davon bereits seit Jahrzehnten. Sie alle könnten gewiss ein Buch mit ihren Erinnerungen als Fußballer und Funktionär schreiben. Einer hat es nun tatsächlich getan. Timo Balmberger vom SV Eintracht Penzendorf hat die bleibenden Erlebnisse aus fast 50 Jahren aktivem Fußballerleben im Schwabacher Stadtteil festgehalten. Es ist ein intensiver Einblick in ein halbes Jahrhundert Einsatz für den klassischen Amateurfußball im Freistaat geworden.

Lokale Sportgeschichte

Balmberger schreibt verständlich, kenntnisreich und lässt an vielen Stellen interessante Bewertungen einfließen. Ihm ist es gelungen, ein Stück lokaler Sportgeschichte fesselnd und detailliert, aber ohne hohles Pathos zu schildern. Mitunter erzeugen die Schilderungen sogar Heiterkeit. „Unsere Spieler mussten zwischen Schweinehälften duschen“, blickt Balmberger auf eine Zeit zurück, als es noch keine eigenen Vereinsräume samt Umkleidekabinen gab. Die Mannschaften versammelten sich damals nach dem Spiel in der Metzgerei Katheder, um sich Schweiß und Dreck vom Körper zu waschen.
„Der Fußball, die Eintracht und ich – Erfolge, Tragödien und unglaubliche Geschichten“ hat der ehemalige beinharte Verteidiger das 188-Seiten-Werk mit zahlreichen Bildern genannt. Bei einer Lesung in der Vereinsgaststätte hat er es der Öffentlichkeit vorgestellt. „Ich habe als Spieler, Jugendtrainer, Abteilungsleiter, Vorstand und Fan viele Stunden für die Eintracht geopfert, aber ich habe auch viel zurückbekommen“, ist Balmberger überzeugt. „Davon will ich in diesem Buch berichten“, sagt der gelernte Libero, der seine aktive Laufbahn erst kürzlich bei den Alten Herren beendet hat.
Und das, obwohl er im Verlauf seiner Spielerkarriere 25 ziemlich schwere Verletzungen erlitten hat. Von der Platzwunde am Kopf und einem Nasenbeinbruch, mehreren Bänderblessuren, einem Handgelenkbruch bis zum Riss der Achillessehne im Jahre 2018. Dieser Schattenseite des Fußballs ist das erste Kapitel des Buchs gewidmet, in dem Balmberger selbstkritisch berichtet. „Ich war meist selbst schuld, denn ich habe mich schonungslos eingesetzt“, schildert er seine Spielweise. „Danke, lieber Körper“, lautet seine Zusammenfassung.

Mit der Eintracht verbunden

Wie stark Timo Balmberger mit der SV Eintracht Penzendorf verbunden ist, macht schon das Titelbild deutlich. Auf der linken Wade eines Beinpaars mit Ball ist das Vereinslogo tätowiert. „Das ist meine“, antwortet Balmberger auf die entsprechende Frage. Der Verein ist 1962 gegründet worden. Der studierte Betriebswirt kann das Geschehen dort seit Anfang der 1980er Jahre aus eigenem Erleben schildern. „Mit vier Jahren habe ich begonnen, Fußball zu spielen“, sagt der 52-Jährige, dessen gesamte Familie den Verein geprägt hat, von dieser ehrenamtlichen Arbeit aber auch selbst geprägt wurde.
Sein 78-jähriger Vater Eugen war Spieler, Vorstand, Jugendleiter und Jugendtrainer, der 56-jährige Bruder Uwe hat vor allem als Spieler und Trainer Spuren hinterlassen. „Ich war 14, da hat er schon in der ersten Herrenmannschaft gespielt: Er war immer mein Vorbild.“ Später sind die Brüder als Spieler gemeinsam in die Bezirksliga und sogar fast in die Bezirksoberliga aufgestiegen. Mutter Grete ist seit Jahrzehnten für Kasse und Kiosk verantwortlich. Gattin Reni „hilft, wo sie kann“, sagt Balmberger. Aber auch andere seien für die gute Entwicklung des SV Penzendorf verantwortlich: die Familien Schabtach, Köstler, Hausladen, Schrödel und Böhme, zählt Balmberger auf.
Timo Balmberger hat sein Buch nicht chronologisch angelegt. Er springt durch die Jahrzehnte, bietet dem Leser aber dennoch einen roten Faden. Balmberger schildert die großen Spiele des SV Penzendorf. Er kann das mit enormer Präzision tun. Schließlich war er bei allen dabei. Er weiß, wie das Wetter war, was der Gegner geleistet hat, wie die Zwischenstände zustandegekommen sind und wer auf welche Weise den Siegtreffer erzielt oder die Vorarbeit dafür geleistet hat. So kommen „Aufstiege und bittere Niederlagen“ zum Tragen. Er berichtet vom „Drama in Stirn“ 1993, beleuchtet das „Wunder von der Hamburger Straße“ im Jahr 2000 und schildert „Das Spiel der Spiele“: Die Relegation um den Aufstieg in die Bezirksoberliga 2003 gegen den FC Ottensoos. „Unsere beste Partie und der größte Erfolg des Vereins“, erklärt Balmberger.

Anekdoten und Peinlichkeiten

Dazwischen sind Kapitel mit Anekdoten aus den 1960er und 70er Jahren, über Feiern und Peinlichkeiten oder über „ein magisches Dreieck“ zu finden. Balmberger richtet eine Liebeserklärung an seinen Verein, erklärt sein Waden-Tattoo und stellt eine Mannschaft mit den besten Penzendorfer Spielern seiner Zeit zusammen. Er begnügt sich also weder mit einer trockenen Geschichtsschreibung noch mit einer einseitigen Sportchronik. Sein Buch ist eine lebendige und kundig kommentierte Schilderung nahezu aller Facetten des Vereinslebens in Penzendorf. Mit Höhen und Tiefen. „Es gab Jahre, da hatten wir gar keine Jugend.“ Heute trainieren über 200 Mädchen und Jungen regelmäßig auf dem Vereinsgelände. Jene 20,- €, die das Buch kostet, gehen denn auch in vollem Umfang an die Jugendabteilung des Vereins.
Dass Timo Balmberger in seinem Erstlingswerk nicht ausschließlich bei der literarischen Form der Erzählung bleibt, zeigt seine Qualität als Autor. Unter dem Titel „Der Chefdenker“ schreibt Timo Balmberger einen Brief an den ehemaligen Spieler und Funktionär Uli Gottschling. Ihm gelingt damit ein hochemotionales Stück, das die zahlreichen Verdienste und geschätzten Eigenschaften des 2022 im Alter von 56 Jahren verstorbenen Gottschling in Erinnerung ruft und ergreifend endet: „Wir vermissen Dich. Du fehlst überall.“

Auch zwei Interviews

Ebenfalls abseits des Stils einer Erzählung hat Timo Balmberger in zwei ausführlichen Interviews lebenden Legenden des Vereins Raum gegeben. Vater Eugen und Bruder Uwe waren ebenso Gesprächspartner über den SV Penzendorf und ihre sportliche Karriere wie die ehemaligen Spieler Florian Schabtach, Christian Gärtner und Goalgetter Berthold Schießler. Namen, die jeden Schwabacher Fußballkenner mit der Zunge schnalzen lassen. Alle drei bezeichneten Timo Balmberger als Vorbild. Gärtners Feststellung dabei brachte den gesamten Saal zum Schlucken. „Der Verein hat mich gerettet“, sagte er. „Ohne ihn wäre ich heute nicht hier.“
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